Regensburg


Regensburg
Re|gens|burg:
Stadt an der Donau.

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I
Regensburg,
 
1) kreisfreie Stadt in Bayern, Hauptstadt des Regierungsbezirks Oberpfalz und Verwaltungssitz des Landkreises Regensburg, 339 m über dem Meeresspiegel, an der Mündung von Regen und Naab in die Donau, 125 200 Einwohner; katholischer Bischofssitz; Verwaltungs-, Bildungs- und Kulturzentrum: Sitz der Bayerischen Oberforstdirektion Regensburg, der Bezirksfinanzdirektion Regensburg, der Bayerischen Landeshafenverwaltung (Hauptverwaltung) u. a. Behörden; Universität (gegründet 1962, Lehrbetrieb seit 1967), Fachhochschule Regensburg, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Ostbayern, Fachakademie für katholische Kirchenmusik und Musikerziehung; Domschatzmuseum, Diözesanmuseum Sankt Ulrich, Fürst Thurn und Taxis Museen (Schlossmuseum mit Hofbibliothek, Marstallmuseum), Museen der Stadt Regensburg (Kunst- und Kulturgeschichtliche Sammlungen, Reichstagsmuseum, Kepler-Gedächtnishaus, Städtische Galerie), Naturkundemuseum Ostbayern des Naturwissenschaftlichen Vereins, Ostdeutscher Galerie, Staatsgalerie Regensburg (Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen), Schifffahrtsmuseum (auf historischen Zugraddampfer). Als Wirtschaftszentrum Ostbayerns besitzt die Stadt elektrotechnische Industrie, Automobilbau, Textil- und Bekleidungs-, chemische, Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Maschinen- und Apparatebau, Leder-, Holz-, Druck- und Futtermittelindustrie; Donauhafen am Rhein-Main-Donau-Großschifffahrtsweg (drei Hafenbecken: West-, Ost-, Ölhafen). Ein weiterer Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr (1996: 492 000 Übernachtungen). Bundeswehrstandort.
 
 
Die Altstadt Regensburgs liegt auf dem Südufer der Donau, nahe der Einmündung des Regen, und ist mit der gegenüberliegenden Seite (über zwei Donauinseln: Oberer und Unterer Wöhrd) u. a. durch die 1146 vollendete Steinerne Brücke (mit 16 Bögen und einer Gesamtlänge von über 300 m) verbunden. Die Altstadt hat ihr vorwiegend mittelalterliches Gepräge gut bewahrt; vom antiken Castra Regina zeugen die Reste der Porta Praetoria (2. Jahrhundert n. Chr.). Der Dom Sankt Peter ist eine kreuzförmige Basilika mit polygonal schließendem Hauptchor und zwei Nebenchören. Vom romanischen Vorgängerbau steht noch der »Eselsturm« am nördlichen Querhausarm. Um 1250 wurde der Neubau am Chor begonnen, um 1275 (nach einem Brand) der Plan im Sinne französischer gotischer Kathedralbauten geändert. Das Langhaus entstand in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Südturm wurde 1341 begonnen; am Nordturm und an der Westfassade (mit reichem Figurenschmuck) wirkte die Baumeisterfamilie Roritzer (1415-1514). Gegen 1525 stellte man die Arbeiten ein. 1835 begann unter F. von Gärtner die puristische Restaurierung; Turmabschlüsse, Querhausgiebel, Dachreiter sind neugotische Zufügungen. Zu den bedeutenden Steinbildwerken der Gotik im Innern gehört die Verkündigungsgruppe des Erminoldmeisters. V. a. im 14. Jahrhundert wurde der Dom mit Glasmalereien ausgestattet. An den Kreuzgang schließen sich die vollständig ausgemalte Allerheiligenkapelle (um 1150-60) und die Kirche Sankt Stephan (»Alter Dom«, vermutlich 11. Jahrhundert) an. Die Kirche (8.-12. Jahrhundert) des ehemaligen Benediktiner-Reichsstifts Sankt Emmeram wurde 1731-33 durch die Brüder Asam und J. M. Prunner barockisiert; unter der Kirche drei Krypten (8., 10. und 11. Jahrhundert); frei stehender Glockenturm (1575-79). Schloss der Thurn und Taxis (seit 1812) in den ehemaligen Klostergebäuden (13. Jahrhundert, Neu- und Umbauten 1689, 1731-37, 1889). Die Schottenkirche Sankt Jakob (1150-84 auf Vorgängerbau) ist eine romanische flach gedeckte Säulenbasilika mit Osttürmen; Nordportal (um 1170) mit figürlichen romanischen Reliefs. Die doppeltürmige Kirche des ehemaligen gefürsteten Damenstiftes Niedermünster (um 1150 über Vorgängerbauten) wurde im 17./18. Jahrhundert barockisiert; Klostergebäude seit 1821 Bischöfliche Ordinariat. Die Stiftskirche Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle (11.-12. Jahrhundert; Chor 15. Jahrhundert) erhielt 1747-65 eine reiche Rokokodekoration. Die gotische Dominikanerkirche Sankt Blasius (13. Jahrhundert) ist eine typische Bettelordenskirche (Wandmalereien des 14. und 15. Jahrhunderts). Das ehemalige Minoritenkloster Sankt Salvator (1226 begonnen; Kirche 2. Hälfte 13. Jahrhundert) gehört zu den Museen der Stadt Regensburg (u. a. Tafelbilder von A. Altdorfer, Kunsthandwerk 13.-19. Jahrhundert). In der evangelischen Neupfarrkirche (16. Jahrhundert) verbinden sich gotische mit Renaissanceelementen. In der frühbarocken evangelischen Dreieinigkeitskirche (1627-31) klingen noch gotische Formen an. Die ehemalige Johanniterkirche Sankt Leonhard ist eine kleine romanische Rundpfeilerhalle (Mitte 12. Jahrhundert). Die gotische, von nordfranzösischen Bauleuten errichtete Ulrichskirche (um 1225-40, 1825 profaniert, jetzt Museum) grenzt an den »Herzogshof« (12./13. Jahrhundert) und den gleichzeitigen »Römerturm«; Altes Rathaus mit Reichssaal (1408). Charakteristisch für Regensburg sind die Patrizierhäuser mit den Geschlechtertürmen (12.-14. Jahrhundert). Auch aus späteren Bauperioden haben sich stattliche Bürgerhäuser erhalten. Werke zeitgenössischer Architektur sind u. a. die Neubauten der Universität: Zentralbibliothek von A. von Branca, 1970-74, Universitäts-Forum von K. Ackermann, 1974. In Karthaus-Prüll die ehemalige Klosterkirche (12. Jahrhundert; spätgotischer Chor; Stuckdekoration 1605) und in Prüfening die Benediktinerklosterkirche Sankt Georg (12. Jahrhundert; mit romanischen Wandmalereien, 1130-60).
 
 
Am Donauübergang und am Schnittpunkt vorgeschichtlicher Handelswege entstand nahe einer keltischen Siedlung (Radasbona?) um 80 n. Chr. ein römischer Kohortenkastell. Nordöstlich davon wurde 179 das Legionslager Cạstra Regina angelegt, neben dem sich eine große Zivilsiedlung entwickelte. Um 400 wurde das Lager unzerstört aufgegeben. Um 535 wanderten Baiern ein; 739 gründete Bonifatius hier ein Bistum. Die baierischen Herzöge aus dem Haus der Agilolfinger wandelten den römischen Staatsbesitz in Fiskalgut um und errichteten im einstigen Praetorium (um den Alten Kornmarkt) ihre Pfalz. Nach der Absetzung Herzog Tassilos (788) zunächst karolingischer Pfalzort, war Regensburg seit Ludwig dem Deutschen bevorzugte Residenz des Ostfränkischen Reichs und seit Herzog Arnulf dem Bösen (913-937) bis Mitte des 13. Jahrhunderts zentraler Landtagsort des Herzogtums Bayern, obwohl auch nach dem 10. Jahrhundert der Römische König Anteil an der Stadtherrschaft hatte. Versuche des Herzogs und des Bischofs nach 1200, die Stadtherrschaft zu gewinnen, scheiterten. Privilegien König Philipps von Schwaben (1207) und Friedrichs II. (1230, besonders 1245) begründeten die Eigenständigkeit der Reichsstadt, die 1256 dem Rheinischen, 1382 dem Schwäbischen Städtebund beitrat. 1486-92 gehörte Regensburg vorübergehend zu Bayern. 1542 schloss sich Regensburg der Reformation an (durch Zuwanderung wurde es seit dem 19. Jahrhundert überwiegend katholisch). 1663-1806 tagte in Regensburg der »Immerwährende Reichstag« unter den Prinzipalkommissaren. 1803 wurde Regensburg mit den Reichsstiften Sankt Emmeram, Ober- und Niedermünster und dem Hochstift zum Fürstentum Regensburg unter Karl Theodor, Reichsfreiherr von Dalberg vereinigt. Nach der Eroberung durch die Franzosen (1809) kam es 1810 an Bayern.
 
 
 
Die Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Bd. 22: Stadt R.. .., bearb. v. F. Mader, 3 Tle. (1933, Nachdr. 1981);
 R. Reiser: R. Stadt mit Vergangenheit. Eine Kulturgesch. bis 1810 (1977);
 S. Faerber u. W. Spitta: R. (1979);
 
R. zur Römerzeit, Beitrr. v. K. Dietz u. a. (21979);
 
Zwei Jahrtausende R., hg. v. D. Albrecht (1979);
 J. Traeger: Mittelalterl. Architekturfiktion. Die Allerheiligenkapelle am Regensburger Domkreuzgang (Neuausg. 1980);
 D. Albrecht: R. im Wandel. Studien zur Gesch. der Stadt im 19. u. 20. Jh. (1984);
 G. Benker: Wege durch R. Ein kulturgeschichtl. Führer (21984);
 G. Fritzsche: Die mittelalterl. Glasmalereien im Regensburger Dom, 2 Tle. (1987);
 
Der Dom zu R. Ausgrabung, Restaurierung, Forschung, hg. v. P. Morsbach, Ausst.-Kat. (31990);
 A. Hubel u. M. Schuller: Der Dom zu R. (1995);
 K. Bauer: R. Kunst-, Kultur- u. Alltagsgesch. (51997).
 
 2) Landkreis im Regierungsbezirk Oberpfalz, Bayern, 1 396 km2, 174 100 Einwohner; Verwaltungssitz ist 1). Der Kreis erstreckt sich von der tief zertalten südöstlichen Fränkischen Alb (Jurakalke) und dem Bayerischen Wald östlich des unteren Regen nach Süden über den fruchtbaren Dungau beiderseits der Donau in das größtenteils lössbedeckte Tertiärhügelland des Alpenvorlands. Die Landwirtschaft, die die Wirtschaft stark prägt, hat im Süden gute Voraussetzungen, im Norden ärmere Böden. Einzige Städte des Kreises sind Hemau, Wörth an der Donau und Neutraubling. Industriebetriebe haben sich v. a. in Neutraubling und Regenstauf angesiedelt. Viele Erwerbstätige sind Pendler in die kreisfreie Stadt Regensburg. Für den Fremdenverkehr ist die Walhalla über der Donau bei Donaustauf ein Anziehungspunkt.
 
 
 3) katholisches Bistum; vermutlich schon in der Römerzeit Bischofssitz, von Bonifatius 739 (neu) gegründet. Der erste Bischof Gaubald (✝ 761) war zugleich Abt von Sankt Emmeram. Von Regensburg aus wurde Böhmen missioniert, das mit der Errichtung des Bistums Prag 973 von Regensburg abgetrennt wurde. Ab 1805 Erzbistum, fiel 1810 an Bayern; 1821 neu umschrieben, gehört es seither als Suffraganbistum zur Kirchenprovinz München und Freising. Bischof war von 1982 bis Januar 2002 Manfred Müller (* 1926). katholische Kirche, Übersicht
 
II
Regensburg,
 
Berthold von, Berthold, B. von Regensburg.
 
III
Regensburg,
 
Lamprecht von, Lamprecht, L. von Regensburg.
 

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Re|gens|burg: Stadt an der Donau.

Universal-Lexikon. 2012.

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